Waage

Warum nehmen wir zu?

Seit mehreren Jahren beschäftige ich mich mit den Themen Ernährung und Bewegung. Dabei stoße ich oft auf unglaubliche Geschichten und Fotos von Menschen, die ihr Leben komplett auf den Kopf gestellt, abgenommen und dadurch ein komplett neues Körper- und Lebensgefühl gewonnen haben. Immer wieder frage ich mich wie es passiert, dass man so viel Gewicht zunimmt. Wenn wir das Licht der Welt erblicken sind wir, bis auf vielleicht ein paar Ausnahmen, normalgewichtig. Im Kindes- und Jugendalter übernehmen wir viele Verhaltensweisen, so auch das Essverhalten, aus unserem sozialen Umfeld. Gut, da liegt bei vielen auch schon der Hase im Pfeffer, wenn man sich die Einkaufskörbe der Leute im Supermarkt anschaut. Einige  nehmen aber auch erst zu, wenn sie in die Pubertät kommen oder wenn sie erwachsen sind. Wie kommt das? Und der zweite Punkt, der mich immer wieder beschäftigt, gerade bei stark übergewichtigen Menschen – wie kann es zu einer so übermäßigen Gewichtszunahme kommen, ohne vorher die Handbremse zu ziehen? Man nimmt ja nicht über Nacht 20 – 30 kg zu. Dass Bewegungsmangel in allen Lebensphasen eine große Rolle spielt, ist selbsterklärend. Aber welche Gründe können noch verantwortlich dafür sein (krankheitsbedingtes Übergewicht bleicht hierbei unbeachtet).

Mit diesen Fragen habe ich mich auseinandergesetzt und habe mich, auf die Suche nach Antworten, an den verschiedenen Lebensphasen orientiert  🙂

1. Kindheit

Mutter Natur hat uns ein natürliches Sättigungs- und Hungergefühl geschenkt. Bei Babys kann man das sehr gut beobachten. Wenn sie Hunger haben schreien sie und wenn sie satt sind hören sie auf zu Trinken oder zu Essen. Im Laufe der Entwicklung lernen Kinder schnell, dass Essen auch an verschiedene Emotionen gekoppelt sein kann. Wenn Kinder traurig sind, bekommen sie ein Stück Schokolade als „Trostpflaster“ und schon sieht die Welt besser aus. Später kommt dann das Essen aus Langeweile hinzu. Glaubenssätze wie: „Du darfst erst aufstehen, wenn der Teller leer ist!“ kennen auch viele. Wenn Mahlzeiten nicht geregelt und/ oder bewusst eingenommen werden, kann dies schon im Kindesalter zu einer Gewichtszunahme führen. Essen vor dem Fernseher ist auch so eine Sache. Es geschieht meist unbewusst und es wird viel mehr gegessen als notwendig ist. Es gibt einen weiteren Punkt, der dazu kommt wenn vor dem Fernseher gegessen wird. Wir lernen ja alle sehr schnell :o)! Jeder kennt den Pawlow´schen Hund mit der Glocke und dem Futter? Wenn immer vor dem Fernseher gegessen wird, assoziieren wir bald Fernsehen mit Essen. Deshalb tritt automatisch oft ein Appetit auf, wenn der Fernseher läuft (auch ohne Hunger).

2. Pubertät

Das Jugendalter ist eine, wie allseits bekannt, ganz schwierige Phase. Die Hormone sprudeln aus allen Löchern, die Stimmung fährt Achterbahn und mit den äußerlichen Veränderungen kommt auch nicht jeder Jugendliche so gut klar. Gerade jetzt steigt die Anfälligkeit für Frust- und Lageweileessen, weil das Essen zu Seelenverwandten wird. getreu nach dem Motto: „Schokolade löst keine Probleme aber Schokolade versteht“. Damit werden der erste Liebeskummer, die blöden Zicken in der Schule, die Pickel im Gesicht, die 5 in Mathe oder der Streit mit den Eltern erträglicher. Wenn Jugendliche in dieser Phase dann auch noch in die Null-Bock-auf-Bewegung-Stimmung verfallen, haben die Kalorien, die die Nähte zum Spannen bringen, leichtes Spiel.

3. Ausbildung/ Studium und Arbeit

Wer denkt, nach der Pubertät wird alles besser, den muss ich jetzt leider enttäuschen. Stress in der Ausbildung, eine vermasselte Prüfung im Studium oder ein Projekt was dingend fertig werden muss… gerade wenn es gar nicht rund läuft, kann ein kleines Häppchen zwischendurch oder ein großes Fressgelage für Entspannung sorgen. Anfällig dafür sind Menschen, die viel Stress haben oder in Führungspositionen unterwegs sind. Sie müssen den ganzen Tag funktionieren und haben die Möglichkeit sich beim Essen einfach mal gehen zu lassen. Da fragt keiner beim Geschäftsessen nach und man muss keinem Druck standhalten. Man kann sich einfach fallen lassen. Das Essen erfüllt in solchen Momenten nicht mehr die Funktion den Hunger zu stillen, sondern fungiert als Seelentröster. Außendienstmitarbeiter und LKW-Fahrer, die versuchen sich mit dem „nährstoffreichen“ Raststättenmenü, „gesundem“ Fastfood oder der stundenlang im Wasser geschwommenen Bockwurst von der Tanke etwas Gutes zu tun, sind für das schnell wachsende Bäuchlein ebenso prädestiniert. Auch Ärger mit dem Chef oder den Kollegen lässt häufiger die Schreibtischschublade mit der „Notfallschokolade“ aufgehen, welche die überschüssigen Kilos auf der Waage erklären kann.

3. Schwangerschaft

Ein ganz klassischer Fall sind auch Schwangerschaften. Ich habe Frauen erlebt, die immer mit ihren Kilos gekämpft haben um ihr Gewicht zu halten, dann kam die Schwangerschaft und damit der Freifahrschein zum Essen, denn Zunehmen in der Schwangerschaft ist ja nicht schlimm. Im Gegenteil .. man darf essen was man möchte und darf sich nicht mehr so bewegen … das ist gefährlich.

4. Mutterglück

Mütter, gerade in den ersten Lebensjahren der kleinen Würmchen, haben berichtet, dass ihnen zum Essen eigentlich gar keine Zeit bleibt. Meist ist von der Schwangerschaft sowieso noch etwas Hüftgold vorhanden und die Zeit, sich damit zu beschäftigen, ist einfach zu knapp bemessen. Die Familie steht über allem und viele fühlen sich wie ein Hamster im Laufrad, der einfach funktioniert um die Lieben glücklich zu sehen. Sie versuchen den Spagat zwischen Baby, Haushalt und dem Rest der Familie auf die Reihe zubekommen und vergessen dabei eine ganz wichtige Person … sich selbst. Da wird das Essen zwischen Tür und Angel in den Mund geschoben, die Reste der Kleinen noch zusätzlich gegessen oder das Essen ganz vergessen. Dass dieses Verhalten nicht ohne Folgen bleibt ist klar.

5. Wechseljahre/ Midlife Crises

Genau wie in der Pubertät bergen auch die Wechseljahre ihre Risiken. Der Hormonhaushalt wird durcheinandergewürfelt, der Energiebedarf sinkt und die Kinder sind meist aus dem Haus und man muss sich selbst und in der Partnerschaft neu finden. Gar nicht so leicht! Denn gerade, wenn man seinen Lebensmittelpunkt in der Familie und die Erziehung der Kinder gesucht und nichts für sich getan hat, fallen manche in ein Loch. Dessen Rand ist meist recht hoch und mühsam zu erklimmen. Gerade jetzt birgt das falsche Essen wieder Gefahren, die einem vor den Wechseljahren noch gar nichts ausgemacht haben. Erstaunlicher Weise ist es bei Männern, gerade in dieser Zeit, eher umgedreht. Sie wollen sich nicht mit dem Älterwerden abfinden und fangen an zu laufen, Rad zu fahren oder machen anderen Sportarten um möglichst lang ihre Attraktivität zu erhalten. Das wär doch auch für uns Frauen ein gutes Vorbild :o).

Jede Lebensphase birgt gewisse Stolperfallen, in der das Essen zum Seelenverwandten werden kann … es gibt noch ganz viele Phasen, die ich aufzählen könnte. Sind dann erst einmal 5- 10 kg dazu gekommen denkt man sich … ach … dann esse ich ab nächste Woche mal weniger und dann passt es wieder …. nach einem Jahr sind nochmal 5 kg dazu gekommen und … schwups … kommt der Punkt, wo du dich selbst nicht mehr leiden kannst, unglücklich wirst und denkst, jetzt ist es auch egal und so schlecht gehts mir ja auch gar nicht. Oder?

Wie du den Schlüssel dein Gewicht langfristig zu reduzieren finden und aus der Tretmühle aussteigen kannst, erfährst du in einem meiner nächsten Beiträge

In diesem Sinne
Wake up and be awesome
Franzi

Geht es dir so, dass du mit deinem Gewicht schon immer unzufrieden bist oder zugenommen hast? Oder hast du erfolgreich abgenommen und möchtest mit deinem Weg anderen Mut machen? Dann schrieb deine Geschichte in die Kommentare. Ich freue mich sie zu lesen.

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